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Wo der Tag beginnt – Urlaub im Königreich Tonga
eingestellt am 25.01.2012 von Susie Ebert
Durch einen Knick in der internationalen Datumsgrenze begrüßt das Königreich als Erstes den neuen Tag und bietet Urlaubern ein unberührtes Südsee-Paradies

Wer als einer der wenigen Palangis (Weißhäutige) das Südsee-Kleinod betritt, gewinnt bereits am Flughafen den Eindruck: Hier ticken die Uhren anders. Obwohl die Tonganer unserer mitteleuropäischen Zeit einen riesen Sprung voraus sind, genau gesagt 12 Stunden, hinken sie in Sachen Fortschritt hinterher. Die Gangway aus dem Flugzeug ist eher eine Leiter, die Passagiere flanieren vogelfrei über das Rollfeld und am Immigration-Schalter sitzt ein einzelner Mann, der mit einem freundlichen „Malo e lelei!“ Tonganer und Nicht-Tonganer begrüßt. Hat man das Land rechtmäßig betreten, steht einem ein musikalischer Willkommensgruß zu, der aber trotz Blumenkette und Ukulele wenig enthusiastisch wirkt. Im Königreich regiert der Müßiggang! Es kann passieren, dass man tagsüber eine Bäckerei betritt und drei Verkäuferinnen mit dem Kopf auf dem Tresen schlafend vorfindet.

Einreise nach Tonga - Das Land der Dicken

Auf dem Laufband der Gepäckausgabe tapst ein Hund mitsamt Polizist über die einzelnen Gepäckstücke und stellt sicher, dass keine Lebensmittel und dadurch Seuchen ins Land geschleust werden. Sieht aus wie Zirkeltraining für den Hund, der seinem Körperbau nach zu urteilen, sonst nicht viel Bewegung bekommt – gleiches gilt für den Polizisten.

Ein Blick durch die überschaubare Menge Passagiere und man mutmaßt, dass hier noch „Big is beautiful!“ angesagt ist – diesen Eindruck wird man auch bis zur Abreise nicht mehr los! Von der Hauptstadt Nuku’alofa bis zur entlegensten Insel trifft man dicke Männer, Frauen, Kinder und Tiere.

Der 2006 verstorbene König Taufa’ahau Tupou IV., bekannt als der „Dicke König“, hat erst spät erkannt, dass er seinem Volk in Sachen Ernährung und Sport ein besseres Vorbild hätte sein müssen! Neun von zehn Erwachsenen sind hier laut Weltgesundheitorganisation übergewichtig. Trotz seines hohen Alters hat der „Tui Tonga“ (königliche Hoheit) bis zu seinem Tod noch 75kg abgespeckt – durch Rudern und Gymnastik.D

Die Sehenswürdigkeiten von Tongatapu per Rad erkunden

Die Sehenswürdigkeiten der Hauptinsel Tongatapu kann man an einem Tag mit dem Auto oder Fahrrad abfahren. Wegen den Schlaglöchern und Geschwindigkeitsbegrenzung von 35km/h innerorts und 65km/h außerhalb ist man mit dem Fahrrad genauso flott wie mit dem Auto. Radfahrer werden in den Dörfern freundlich winkend und mit einem „Bye!“ gegrüßt. Wird man im Vorbeifahren nach dem Ziel seiner Reise gefragt, lässt man nicht selten eine johlende und sich den dicken Bauch vor Lachen haltende Menge hinter sich, wenn man als Fahrtziel das 10km entfernte Nuku’alofa angibt! Die spinnen, die Palangis!

Geführte Touren und Ausflugsziele auf Tonga

Die beste und billigste geführte Tour bekommt man bei Toni von „Toni’s Guest House“ für 30 Pa’anga pro Person, ca. 10 Euro. Per Minibus und mit englischem Humor bringt er seine Kunden zu allen wichtigen Spots, kommentiert diese und lässt einen dort solange verweilen bis jeder auch wirklich genug Fotos gemacht hat! Mehr oder weniger dankbare Motive sind das tongaische „Stonehenge“, ein Torbogen aus riesigen Korallenblöcken, von dem niemand wirklich weiß, was es bedeutet und wie es hier hingekommen ist. Eine weitere Attraktion sind die „Flying foxes“, unzählige Fledermäuse, die wie Trauben in den Bäumen hängen. Etliche Reiseführer behaupten, dass diese friedlichen Obstfresser pikanterweise auf einem Friedhof hängen. In Wahrheit steht ihr Lieblingsbaum im Garten einer leidgeprüften Familie, die die Gesellschaft der kleinen Batmans mit gemischten Gefühlen akzeptieren. Weiter geht es zu den Blowholes – zerklüftete Felsen der südlichen Korallenküste, aus deren Löchern bei Flut Wasserfontänen schießen.

Der Royal Palace in Tongas Hauptstadt Nuku’alofa ist leider nur von der Uferstraße aus zu sehen und wirkt wenig glamurös – zur Zeit wird aber noch an einem Türmchen gebaut, vielleicht setzt dieses dem Bauwerk ja noch die buchstäbliche Krone auf!

Insel-Hopping - Tagesausflüge auf die Inseln Tongas

Wer seinen Daheimgebliebenen nach dem Tonga-Urlaub einen umfangreichen Diavortrag bieten will, ist wohl mit seinem Reiseziel nicht gut beraten. Die Schönheit des Königreich liegt eher in seinen unzähligen Inseln, deren endlosen Stränden, seinen vielfältigen Tauch- und Schnorchelrevieren, der Freundlichkeit der Menschen, der Ruhe und der Tatsache, dass Tonga keine klassische Tourismus-Destination ist.

Einen Tagesausflug wert ist die vorgelagerte Insel Pangaimotu, ca. 20 Bootsminuten vom Hafen in Nuku’alofa. Die einzige Unterkunft der Insel, das „Tongan Beachcomber Resort“, verkauft Getränke und hervorragende Fish&Chips. Ein halbversunkenes Wrack bietet bei ruhiger See eine außergewöhnliche Möglichkeit zum Schnorcheln. Ein menschenleerer Strand, bunte Fische und Korallengärten an der Nordwestseite des Mini-Eilands laden ebenfalls zum Entdecken der Unterwasserwelt ein.

Um Tongas Natur in all ihrer vielfältigen Pracht zu sehen, sollte man mindestens eine der anderen Inselgruppen besuchen. Die der Hauptinsel Tongatapu am nächsten gelegene Insel `Eua eignet sich zum Wandern in tropischem Regenwald, die Inselgruppe Ha’apai mit ihren wunderschönen endlosen Stränden zum Relaxen und die am nördlichsten gelegene Inselgruppe Vava’u für Wassersport aller Art.

Für die Anreise eignet sich am besten ein Inlandsflug mit einer der kleinen zweimotorigen Maschinen der Air Tonga. Auch wenn der Flug nach `Eua nur 6 Minuten dauert, ist der Flug an sich und die Sicht auf in türkisblauem Wasser liegende Inseln und Riffe es allemal wert! Alternativ kann man per Boot anreisen, was aber für die beiden weiter entfernten Inselgruppen Ha’apai und Vava’u auf keinen Fall zu empfehlen ist. Die Überfahrt dauert zwischen 14 und 24 Stunden und die Schiffe ähneln eher dem Wrack auf Pangaimotu als einer Fähre und sind beladen wie Flüchtlingsschiffe mit nicht gerade seefesten Tonganern. Eine merkwürdige Tatsache für ein Volk, für das Inselhopping so normal ist wie für uns U-Bahn fahren.

Die Inselwelt Tonga - ein Geheimtipp für Individualurlauber

Die Einwohner des Königreichs Tonga kennen oft nicht mehr als das Dorf oder die Insel, wo sie geboren wurden. Sie sind genügsam und freundlich. Bisher verschont von den Nebenwirkungen von Pauschaltourismus und Industrialisierung ist Tonga eines der wenigen Rückzugsgebiete für die, die ein wahres Paradies noch zu schätzen wissen. Die offene Herzlichkeit der Tonganer ist wohl der Grund, dass das Archipel früher auch „Freundschaftinseln“ genannt wurde.
 
Autor:
Susie Ebert
80337 München

Telefon: 015123066219
 
 
         

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